Google AI Optimization Guide: Die Kernbotschaft für Ihre Website-Strategie
Google hat im Frühjahr 2025 erstmals einen konsolidierten Leitfaden zur Optimierung für generative KI-Funktionen wie AI Overviews und AI Mode veröffentlicht. Die zentrale Aussage vorweg: AEO (Answer Engine Optimization) und GEO (Generative Engine Optimization) sind kein eigenständiges Fachgebiet – Google bezeichnet sie explizit als „weiterhin SEO“. Wer in den letzten Monaten mit dem Gedanken gespielt hat, seine gesamte Content-Strategie umzukrempeln oder teure Spezialtools zu kaufen, kann durchatmen.

Das heißt nicht, dass sich nichts ändert. Aber die Änderungen liegen nicht dort, wo viele sie vermuten. Sie liegen in der Art des Contents, nicht in der technischen Optimierung. Wer bereits solides SEO betreibt, hat die technische Hausaufgabe bereits erledigt. Der Rest ist Perspektive.
Was Google explizit als unnötig bezeichnet
Google benennt im Leitfaden mehrere Maßnahmen, die in den letzten Monaten als „neue AI-SEO-Pflicht“ durch verschiedene Kanäle gegeistert sind. Diese Liste ist bemerkenswert klar:
- llms.txt-Dateien: Werden wie normale Textdateien behandelt – keine besondere Funktion für AI-Ergebnisse. Wer Zeit in die Erstellung investiert hat, hat Zeit verschwendet.
- Spezielles Schema.org-Markup für AI-Targeting: Gibt es nicht und wird auch nicht benötigt. Structured Data bleibt sinnvoll für Rich Results in der klassischen Suche, aber nicht als Werkzeug um in AI Overviews bevorzugt zu werden.
- Neue technische Optimierungen speziell für AI: Crawlbare Seiten, sauberes HTML, gute Page Experience, kein Duplicate Content – das ist die Basis, und sie ändert sich nicht.
Das ist der gravierendste Punkt, und er wird in der Praxis am häufigsten übersehen: Die meisten „AI-Optimierungs-Angebote“ zielen auf technische Stellschrauben, die Google selbst als irrelevant bezeichnet. Wir sehen das regelmäßig in Anfragen – Unternehmen haben Budgets in Tools oder Beratung investiert, die auf Annahmen basieren, nicht auf Googles tatsächlichen Anforderungen.
Non-Commodity-Content: Der eigentliche Hebel
Hier liegt der Unterschied. Google benennt Non-Commodity-Content als Kern der Optimierung für generative KI-Funktionen. Das bedeutet: Content, den eine KI nicht selbst generieren kann, weil er auf spezifischer Erfahrung, individueller Perspektive oder proprietärem Wissen basiert.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Artikel mit dem Titel „7 Tipps für Erstimmobilienkäufer“ ist Commodity-Content. Die KI kann diese sieben Tipps selbst zusammenstellen, aus hunderten bestehenden Quellen aggregieren und als AI Overview ausgeben. Ihre Website wird in diesem Szenario nicht als Quelle genannt – sie ist austauschbar.
Ein Artikel mit dem Titel „Was ich bei 47 Immobilienfinanzierungen über Banken gelernt habe, die niemand erwähnt“ ist Non-Commodity-Content. Er basiert auf konkreter Erfahrung, die nicht synthetisierbar ist. Die KI kann ihn zitieren, aber nicht ersetzen. Genau dieser Content wird in AI Overviews referenziert.

Was das konkret für Ihre Content-Strategie bedeutet
Die Frage ist nicht, ob Sie mehr Content produzieren müssen. Die Frage ist, ob Ihr bestehender Content eine Perspektive hat, die über aggregierbare Standardinformationen hinausgeht. Das lässt sich an drei Kriterien prüfen:
- Erfahrungsbasiert: Stammt der Content aus konkreter Arbeit mit Kunden, Projekten oder Prozessen? Oder ist er aus anderen Online-Quellen zusammengestellt?
- Spezifisch statt generisch: Behandelt der Content ein enges, spezifisches Problem oder eine breite Kategorie? Je enger, desto besser für AI-Sichtbarkeit.
- Nicht selbst generierbar: Könnte eine KI denselben Artikel aus bestehenden Quellen schreiben? Wenn ja, wird sie es tun – und Ihren Artikel überspringen.
Wir empfehlen unseren Kunden seit Monaten, bestehende Cornerstone-Inhalte nach diesen Kriterien zu überarbeiten, statt neue „AI-optimierte“ Seiten zu erstellen. In den meisten Fällen ist das Material bereits vorhanden – es muss nur aus der generischen Verpackung herausgeholt werden.
Bilder, Videos und strukturierte Daten: Was bleibt, was sich ändert
Google bestätigt, dass Bilder und Videos in AI-Features einbezogen werden. Die gute Nachricht: Bestehende Image-SEO-Praxis ist ausreichend. Alt-Texte, beschreibende Dateinamen, Kontext durch umgebenden Text – das funktioniert auch für AI Overviews. Kein neues Markup, keine zusätzlichen Tags.
Strukturierte Daten bleiben sinnvoll, aber ihre Funktion ändert sich nicht. Sie helfen weiterhin bei Rich Results in der klassischen Suche – Rezepte, Events, Produkte, FAQs. Google stellt explizit klar, dass es kein spezielles Schema für AI-Targeting gibt. Wer Schema.org-Markup nur implementiert, um in AI Overviews zu erscheinen, verfolgt die falsche Strategie.
Das heißt nicht, dass strukturierte Daten unwichtig sind. Aber ihre Priorität bleibt dieselbe wie vor AI Overviews: Sie sind ein Nice-to-have für erweiterte Darstellungen, kein Must-have für Sichtbarkeit. Wer strukturierte Daten noch nicht implementiert hat, sollte das tun – aber aus den bekannten SEO-Gründen, nicht wegen AI.
Agentische KI und Protokolle: Was kommt, aber nicht dringend ist
Google erwähnt im Leitfaden agentische KI-Erfahrungen wie WebMCP (Model Context Protocol) und Universal Commerce Protocol. Diese Technologien ermöglichen es KI-Systemen, direkt mit Websites zu interagieren – Buchungen vorzunehmen, Formulare auszufüllen, Transaktionen abzuschließen.
Das ist Zukunft, aber nicht Gegenwart. Google bezeichnet diese Protokolle als optional und experimentell. Wer jetzt Zeit in die Implementierung investiert, ist früh dran – möglicherweise zu früh. Die Standards sind nicht finalisiert, die Nutzung ist marginal, und es gibt keine Belege dafür, dass Early Adoption einen Ranking-Vorteil bringt.
Wir raten unseren Kunden, diese Entwicklungen zu beobachten, aber keine Ressourcen darauf zu verwenden, solange Google keine klaren Implementierungsrichtlinien veröffentlicht. Die Gefahr: Sie bauen etwas, das in sechs Monaten überholt oder inkompatibel ist. Das ist ineffizient.
Die praktische Konsequenz: Was Sie jetzt tun sollten
Googles Leitfaden ist bemerkenswert entdramatisierend. Die Kernaussage lautet: „Plenty of content thrives in Google Search including generative AI experiences without any overt SEO at all.“ Das bedeutet nicht, dass SEO unwichtig wird. Es bedeutet, dass gutes SEO bereits ausreicht – wenn der Content selbst eine eigenständige Perspektive hat.
Hier ist die Prioritätenliste, wie wir sie in unserer Arbeit anwenden:
- Content-Audit mit AI-Perspektive: Bestehende Inhalte nach Non-Commodity-Kriterien durchgehen. Generische Artikel entweder mit spezifischer Erfahrung anreichern oder archivieren.
- Technisches SEO prüfen: Crawlbarkeit, HTML-Qualität, Page Experience, Duplicate Content. Keine neuen Faktoren – aber diese Basis muss stimmen.
- Strukturierte Daten wo sinnvoll: Für Inhaltstypen, die von Rich Results profitieren. Nicht als AI-Targeting-Maßnahme.
- Image-SEO konsequent umsetzen: Alt-Texte, beschreibende Dateinamen, Kontext. Kein zusätzliches Markup nötig.
- Agentische KI beobachten, nicht implementieren: Solange Google keine klaren Richtlinien gibt, ist Abwarten die effizientere Strategie.
Was nicht auf der Liste steht: llms.txt-Dateien, spezielles AI-Markup, neue Tools für „GEO-Optimierung“. Diese Maßnahmen bringen nachweislich keinen Mehrwert – Google sagt das selbst.
Wann diese Strategie nicht funktioniert
Es gibt Szenarien, in denen der Google AI Optimization Guide keine Lösung bietet. Der offensichtlichste Fall: Ihr Content ist Commodity, und es gibt keinen Weg, ihn zu differenzieren. Wenn Sie Standardinformationen verkaufen – Wetterberichte, Börsenkurse, Lexikon-Einträge – wird die KI diese Informationen selbst ausgeben. Ihre Website wird nicht referenziert, weil sie nichts Eigenständiges beiträgt.
Der zweite Fall betrifft Branchen mit sehr homogenen Angeboten. Wenn Ihre Dienstleistung oder Ihr Produkt objektiv austauschbar ist und Sie keine dokumentierte Expertise oder Fallstudien haben, wird Non-Commodity-Content schwierig. Das ist kein SEO-Problem, sondern ein Positionierungsproblem. Die Frage ist nicht, wie Sie für AI optimieren, sondern warum jemand Sie statt der Konkurrenz wählen sollte. Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, kann es SEO auch nicht.
Der dritte Fall: technisch kaputte Websites. Wenn Ihre Seite nicht crawlbar ist, langsam lädt oder strukturell fehlerhaft ist, hilft der beste Content nichts. Google sagt das explizit – die technische Basis muss stimmen. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer. Wir sehen regelmäßig Websites, die in Content investieren, während fundamentale technische Probleme ungelöst bleiben.
SEO-Strategie für AI-Sichtbarkeit: Wie wir Ihre Website positionieren →

